Reviews
Soll ich oder soll ich nicht? Wer unter GAS leidet (Gear Aquisition Syndrom) fragt sich immer, ob er eine weitere Kamera, ein neues Objektiv oder sonstwelches Zubehör braucht. Daher möchte ich mit meinen Mini-Reviews an dieser Stelle eine Entscheidungshilfe bieten.


Das Canon RF 45 sorgt für Furore - also habe ich es mal ausprobiert.
Diese "Scherbe" bringt Glück!
Im Test: Canon RF 45mm 1,2 STM
Canon hat einen neuen Weg eingeschlagen. Statt den RF-Mount für andere Hersteller zu öffnen, produzieren die Japaner selbst "günstige" Objektive mit hohen Lichtstärken. Den Anfang machten das RF 28-70 2,8 STM und das RF 16-28 2,8 STM, welche beide für einen Preis von 1299 Euro (UVP) zu haben sind und sehr gute optische Leistungen bieten, ohne jedoch an die Verabeitungs- und Abbildungsleistungen der L-Serie heranzureichen. Das RF45 1,2 will nun offenbar in dieselbe Kerbe schlagen. Aber gelingt das auch? Es kostet 499 Euro - für diesen Blendenbereich im Vollformat ein Hammer-Preis. Ich habe eines der ersten Objektive ergattert und teste es nun im Alltag. Hier meine ersten Eindrücke, to be continued....
Haptik:
Das Objektiv ist für eine 1,2er-Vollformat-Optik sehr kompakt und leicht. Der Tubus ist aus rauem Plastik, das sich zwar nicht besonders edel anfühlt, aber das kann man bei dem Preis auch nicht erwarten. Dafür gibt es einen Steuerring, der frei belegbar ist, und ein Bajonett aus Metall. Der einzige Schalter ist für die Aktivierung des Autofokus'. Einen Stabi hat das Objektiv nicht (und braucht es auch nicht wirklich), eine Gegenlichtblende liegt nicht bei und müsste für circa 60 Euro extra geordert werden (was ich persönlich nicht machen würde).
Autofokus:
Es kommt ein Stepping-Motor (STM) zum Einsatz statt eines Ultraschall-Motors (USM). Diese Technologie ist nicht die schnellste, reicht mir aber in den meisten Fällen aus (auch das RF 50 1,2 L braucht länger, um das ganze Glas zu bewegen). Komplett leise ist STM nicht, was beim Fotografieren in den seltensten Fällen ein Problem darstellen sollte. Videografen könnten jedoch mit dem internen Mikro die Geräusche auffangen.
Bildqualität & Bokeh:
Bereits bei Offenblende liefert die Optik scharfe Resultate in der Bildmitte. Zur Wahrheit gehört zwar auch, dass die extremen Ränder unter bisweilen starken „Auswaschungen“ leiden. Jedoch nutze ich dieses Objektiv, um zentrale Objekte freizustellen. Die Ränder sind mir also relativ schnuppe. Wollte man etwa knackscharfe Landschaften darstellen, ist dies auch möglich. Dafür müsste jedoch die Blende ein paar Stufen geschlossen werden..
An Hochkontrast-Kanten kommt es zu lilafarbenen und grünen Farbverläufen. Während sich erstere in der RAW-Bearbeitung recht gut entfernen lassen, sind die grünen Säume leider standhafter. (Noch gibt es keine automatische Profilkorrektur in Photoshop oder Lightroom.) Meine Sigma-Optik ist diesbezüglich jedoch auch nicht viel besser, geschweige denn mein EF 50 1,4 .
Erste Tests mit den Spitzlichtern im Unschärfebereich (Bokeh-Balls) zeigen, dass das Objektiv runde Lichter zum Rand hin oval (Katzenaugen) darstellt. Nicht wirklich schön, aber das "schaffen" teurere Objektive ebenfalls und den meisten Betrachtern dürfte es gar nicht auffallen. Alles in allem bin ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden.
Fazit (bisher):
Das RF45 ist einzigartig: klein, leicht, sehr lichtstark - und mit knapp 500 Euro auch wirklich bezahlbar. Unter dieser Prämisse erfült es seine Aufgabe formidabel. Es bietet bereits bei f1,2 eine gute Schärfe dort, wo es drauf ankommt: im Zentrum. Der Autofokus ist ausreichend schnell und treffsicher.
Ist das Objektiv perfekt? Mitnichten! Die Ränder können bei Offenblende stark ausgewaschen erscheinen. Das Bokeh ist zwar cremig, kann aber auch je nach Motiv etwas unruhig wirken. In Hochkontrast-Situationen muss man mit lilafarbenen und grünen Farbsäumen kämpfen, die sich auch im RAW nicht immer vollständig entfernen lassen (es gibt aber auch noch kein Profil für ACR). Spitzlichter im Unschärfebereich sind zentral schön rund, neigen aber zu leichten "Zwiebelringen". An den Rändern entstehen so genannte Katzenaugen.
Puh, ganz schön viel Negatives. Aber interessiert es am Ende? Nein. Es zählt das Bild, das man mit dem Objektiv am Ende erschaffen kann. Charakter statt Perfektion. Es macht einfach Spaß, damit zu fotografieren. Und ruiniert weder die Schulter noch die Finanzen des Besitzers. Es ist jedem, der nicht absolute Spitzenwerte braucht, ans Herz zu legen. Manchmal bringen "Scherben" eben wirklich Glück...
Aber soll ich es auch kaufen, wenn ich bereits:
- ein RF 50 1,2 L besitze? Ja, wenn ich eine erheblich kleinere und leichtere Alternative suche, die auch noch ein etwas weiteres Blickfeld bietet.
- ein RF 50 1,8 besitze? Ja, der Unschärfe-Vorteil ist geeignet, um einen besonderen Look zu erzielen.
- ein Sigma 50 1,4 und/oder 35 1,4 besitze (so wie ich)? Ja, wenn man sich den RF-Adapter und das Gewicht dieser Optiken sparen möchte (und eventuell auch gleich eine der Optiken).
- ein EF 50 1,4 USM besitze? (so wie ich): Ja, wenn man etwas mehr Lichtstärke und bessere Bildqualität bevorzugt sowie auf den Adapter verzichten möchte.


Größenvergleich: Canon EF 50 1,4 (v.li.), Canon RF 45 1,2 und Sigma 1,4 DG (mit RF-Adapter)
Beispiel-Bilder
Hier ein paar erste Eindrücke, wie das RF 45 performt. Alle Fotos sind bei Offenblende entstanden. Alle Fotos sind unkorrigiert, um gnadenlos die Bildfehler aufzudecken. Die Galerie wird noch erweitert.

Klein, leicht und sehr vielseitig: der Godox iT30 Pro
Der Mini-Blitzer
Im Test: Godox iT30 Pro
Godox ist für seine innovativen und doch bezahlbaren Blitze bekannt. Mit dem IT30 Pro hat der chinesische Hersteller ein weiteres Produkt auf den Markt gebracht, welches das Leben eines Fotografen einfacher macht. Hier meine ersten Eindrücke aus dem Arbeitsalltag.
Haptik & Handling:
Das Beste vorweg: Der Blitz ist winzig und leicht. Er wiegt lediglich 120 Gramm. Dennoch verfügt er über physikalische Schalter und ein Drehrad, der Rest wird über das Farb-Display mit Touch-Funktion gesteuert. Das funktioniert trotz der kleinen Fläche recht gut. Leider lässt sich die Touch-Funktion nicht blockieren, so dass man oft aus Versehen etwas verstellt, wenn man nicht aufpasst.
Funktionen:
Das eigentlich Geniale an dem Winzling ist, dass er drei Geräte in einem vereint. Er fungiert als Aufsteckblitz, Remote-Blitz und als Sender für das gesamte Godox-Sortiment. Das können zwar andere Godox-Blitze ebenso, aber in dieser Kompaktheit macht es den i30 Pro sehr vielseitig. Einfach in die Tasche stecken und man ist für (fast) alle Fälle gerüstet (oder hat zumindest ein Backup parat). Die Funktion lässt sich per Touch schnell verstellen.
Leistung:
Nun kann man von so einem kleinen Kerl nicht erwarten, Gegenlicht-Porträts in der Sommersonne auszublitzen (probieren werde ich das aber noch), aber für das Ausleuchten von einzelnen Personen bis hin zu kleinen Gruppen im Dunkeln reicht die Leistung allemal. Es sieht etwas lustig aus, wenn man den kleinen iT30 beim entfesselten Blitzen in der Hand hält, man kommt sich ein wenig vor, wie ein Magier mit Zauberpulver.
Noch kurioser sieht es aus, wenn man den Blitz auf einem Lampen-Stativ installiert und durch einen Durchlichtschirm schießen lässt. Aber auch das meistert er ziemlich gut. Ich habe damit bereits Porträts und Food fotografiert. Die Recycle-Phasen sind dann aber nach jeder Aufnahme recht lang, bei geduldigen Motiven ist das jedoch kein Problem.
Fazit:
Winzig, praktisch, immer dabei: Größe und Multifunktionalität machen den iT30 zum "No-Brainer", den man immer in der Hosen- und Fototasche dabei haben kann. Als Sender oder Empfänger, als On-Camera für den direkten Vintage-Flash-Look, als Hair-Light oder um den Hintergrund anzuleuchten - er ist eine Top-Ergänzung zu einem vorhandenen Godox-System mit stärkeren aber sperrigeren Einheiten.


Beispiel-Bilder
Diese Fotos sind alle mit dem iT30 Pro ausgeleuchtet.

















